Die EFFA (European Fly Fishing Association) stellt vor:

Menschen, die das Fliegenfischen verinnerlichen und die EFFA-Philosophie nach außen tragen. Heute stellen wir den Auswanderer, Autodidakten und Visionär Peter Rubischon vor.

Vor 20 Jahren hat sich der gelernte Banker für einen Lifestyle-Change entschieden und ist nach Neuseeland ausgewandert. Der 59-jährige Schweizer lebt heute in God Zone und arbeitet (so wenig wie möglich) als Buchhalter und Investment-Berater.

Dank der Absolvierung des Guide-Kurses hat er viele neue und gute Kontakte knüpfen können. Er ist im Vorstand von Sport-Fly-Fishing New Zealand und pflegt ein internationales Netzwerk zu Top Anglern. Seine Hausreviere sind vorwiegende die Seen und Flüsse im Norden Neuseelands. Peter ist seit 3 Jahren EFFA-Mitglied.

Wir haben Peter ein paar Fragen gestellt:

Kannst Du Dich an Deine ersten Würfe erinnern? Wer hat Dir das Fliegenfischen beigebracht?
Peter Rubischon: Meine erste Fliegenrute kaufte ich in den 70er-Jahren. Obwohl ich Hans-Ruedi Hebeisen’s Videos zur Hilfe hatte, dauerte es endlose Wochenenden, bis ich meine erste Forelle an der Reuss in Bremgarten (Schweiz) landete. Heute weiss ich, dass ein paar Stunden mit einem Casting-Instructor diesen Prozess drastisch verkürzt hätten.

Wie hast Du das Fliegenfischen für Dich entdeckt?
Peter Rubischon: Vom ersten Moment hat mich das Fliegenfischen nicht mehr losgelassen. Aber so richtig gepackt hat es mich erst, als ich nach „God Zone“ New Zealand auswanderte.

Was fasziniert Dich am Fliegenfischen?
Peter Rubischon: Die Fliegenfischerei ist für mich die perfekte Kombination von Natur, Kunst, Handwerk und Science. Durch meine Involvierung in die Competition-Fischerei habe ich schnell begriffen, warum 10% der Angler 90% der Fische landen. So war es nur logisch, einen Bindestock zu kaufen, meine eigenen Ruten zu bauen und jede nur mögliche Klinik mit Top-Anglern zu besuchen.

Erzähle noch etwas über die Competition-Fischerei.
Peter Rubischon: Zur Competition-Fischerei kam ich per Zufall, als Controller. Jeder Competitor wir durch einen Controller überwacht, um die Fische zu messen und sicherzustellen, dass alle Regeln eingehalten werden. Typischerweise besteht eine Competition aus 3 Sessions zu 3 Stunden. Der Angler kann auf einer abgesteckten Strecke (Beat) von typischerweise 200-300 Metern fischen. 20, 30 oder mehr gelandete und zurückgesetzte Fische in 3 Stunden war unglaublich genug. Doch als der dritte Competitor (im gleichen Beat) auch noch ein Dutzend Fische landete, war klar, ich musste herausfinden, was sie anders machen, was wissen sie, das ich nicht weiss? Obwohl ich kein competitiver Mensch bin (und schon gar nicht beim Fischen) faszinierte mich die Art und Weise, wie Tackle, Taktiken und Techniken laufend analysiert, hinterfragt und verbessert werden. Viele Neuheiten in der Fliegenfischerei kommen aus dem Competition-Umfeld.

Wo fischst Du am liebsten/ befinden sich Deine Gewässer?
Peter Rubischon: Meine Lieblingsgewässer befinden sich natürlich in New Zealand. Ich könnte hier für den Rest meines Lebens jeden Tag ein anderes Gewässer befischen und hätte dennoch nicht alles gesehen. Einmal im Jahr fische ich gerne in Europa. In New Zealand fängt jeder Fische, doch in Europa wird man sehr schnell daran erinnert, dass die eine oder andere Technik/Taktik verfeinert werden muss. Hierbei liegt es an der geringeren Anzahl von Fischen pro Km und die sehr intensive Befischung. Das resultiert in mehr "selective trout".  Europa ist daher meine Trainings-Plattform und Reality-Check!

Hast Du ein Fliegenfischer-Idol und was begeistert Dich an Deinem Idol?
Peter Rubischon: Ich durfte unzählige fantastische Menschen und Freunde am Wasser treffen. Viele davon begnadete Fischer, Fliegenbinder, Casting-Gurus und auch Rutenbauer. Meine wohl eindrücklichste Begegnung war mit Lubos Roza, Mitglied des Czech-National-Teams, mehrfacher Weltmeister und  „just damn good bloke“. Für mich ist er der „Hirnchirurge“ unter den Fliegenfischern. Nichts ist zufällig, alles hat einen wohlüberlegten und getesteten Grund. Was ihn so einmalig macht ist, dass er sein Wissen gerne und offen teilt, ein super Buddy!

Hast Du noch Kontakt zu Lubos Rosza?
Peter Rubischon: Ja, Lubos ist hauptberuflich Ingenieur und hat gerade kürzlich eine revolutionäre Rollenhalterung (Reel Seat) entwickelt, mit der die Rolle innert Sekunden gewechselt werden kann. Er hat mir eines der ersten Exemplare gesandt und ich teste sie nun mit einem Hot Torpedo Blank von Sexy-Loops. Viele Mitglieder des Czechischen Teams (aber auch die Franzosen, Spanier, Engländer) kommen regelmässig nach New Zealand, und es ist immer hoch spannend, mit ihnen die neusten Trends und Erkenntnisse "auszubeinen".

Deinen grössten Fisch hast Du: wo, wie und wann gefangen?
Peter Rubischon: Die grössten Fische habe ich in New Zealand gefangen. Doch Grösse allein kann mich heute nicht mehr reizen.  Was für mich den Unterschied zwischen einem guten und einem super Tag ausmacht, ist wenn ich den schwierigen (eigentlich unfangbaren) Fisch lande. Oft hat man nur einen Wurf. Gelingt der nicht (meistens), ist der Fisch „spooked“ und die Chance vertan. Ich kann dann gut und gerne eine Stunde damit verbringen, verschiedene Würfe/Taktiken auszuprobieren, um herauszufinden, wie es hätte klappen können. Das sind die Momente, in denen ich meine Technik verbessere, für das nächste Mal… Morgen!

Wie bist Du zur EFFA gekommen und welches Potenzial hat die EFFA?
Peter Rubischon: Via Internet und Kontakte in Europa. Die EFFA ist eine wichtige Plattform für Angler in Europa aber auch eine ideale Anlaufstelle für internationale Angler, die Interesse an der europäischen Fliegenfischerei haben.

Fliegenfischen ist voll im Trend. Wo siehst Du die Gründe?
Peter Rubischon: Leider! Obwohl ich mich natürlich auch darüber freue, dass mehr Menschen die Schönheit unserer Natur und Gewässer ästimieren und hoffentlich auch bewusster damit umgehen. Fischen ist nicht wie Fussball, Tennis oder Golf. Es können nicht einfach  Stadien vergrössert oder neue Golfplätze gebaut werden. Jedes Gewässer verträgt eine limitierte Anzahl von Benutzern (nicht nur Angler). Wird diese Anzahl überschritten, kann das verheerende Folgen haben. Obwohl wir in dieser Beziehung in New Zealand privilegiert sind, gibt es bereits auch bei uns Flüsse, die ich meide, da sie meines Erachtens überfischt sind.

Es gibt vieles was für aber auch gegen unsere Fischgewässer spricht - Umweltschutz, Vogelschutz, Naturschutz, etc. Wie siehst Du die Entwicklung der Fisch-Gewässer in Europa?
Peter Rubischon: Wie bei den meisten Dingen im Leben, ist die richtige Balance entscheidend. Wir teilen die Gewässer mit vielen anderen Interessengemeinschaften. Es ist unser aller Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Gewässer für alle zugänglich bleiben aber auch geschützt und gepflegt werden.

Warum bist Du nach Neuseeland ausgewandert?
Peter Rubischon: Nach einer spannenden aber intensiven Karriere im Banking, war es Zeit für eine Lifestyle-Change. Es gibt nicht viele Länder mit mildem Klima, super Stränden, Regenwäldern, Weltklasse Fischerei, einer demokratischen Regierung, offenen, unkomplizierten Menschen und Natur pur a gogo!

Was Peter Rubischon noch sagen wollte:
Wer immer Informationen über Neuseeland braucht, kann sich gerne bei mir melden. Falls die Antwort etwas länger dauert, bin ich vermutlich irgendwo abseits im Busch und das nächste Wi-Fi ein Tagesmarsch entfernt. 
E-Mail: rubischon@xtra.co.nz

Interview: Stefan Schramm

Hast Du Interesse am Fliegenfischen / der EFFA? Einfach melden: info@effa.info

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