Die EFFA (European Fly Fishing Association) stellt vor:

Menschen, die das Fliegenfischen verinnerlichen und die EFFA-Philosophie nach außen tragen. Heute stellen wir EFFA- Mitglied Simon Barg vor. Simon wohnt in Schlier, Deutschland, ist von Beruf Vertriebsingenieur, 39 Jahr jung und Mitglied beim KFV Ravensburg. Sein Haus-Revier ist der zweitgrösste deutsche Bodenseezufluss, die „Schussen“. Wir haben Simon ein paar Fragen gestellt.

Wie hast Du das Fliegenfischen für Dich entdeckt?

Simon Barg: Erster Berührung mit dem Fliegenfischen hatte ich vor ca. 15 Jahren. Damals gab es im Blinker oder der Fisch und Fang einen Bericht über das Fliegenfischen. Es wurde eine Aufgabe zum Kauf einer Ausrüstung für 300 DM/Euro, (war um die Euroumstellung, geändert hat sich dadurch aber nichts ;-), der Preis blieb gleich ) gestellt. Der Redakteur bekam damals eine komplette Combo. Also ab ins Auto, auf nach Ulm. Rein in den Laden und kurz erklärt um was es geht. Herr Förg sen. kommentierte mein Vorhaben mit den Worten: „ auch mal Interessant“. 30 Minuten später lief ich mit einer Exori #6, einer Rolle von Okuma, bespulte mit Backing und eine DT6 und 300 DM/Euro weniger im Portemonnaie aus dem Laden. On top gab es nach ein verjüngtes Vorfach und vier Fliegen.

Schnell alles montiert (inkl. Fliege) und ab an ein abgelegenes Fußballfeld. Wie das Werfen geht, wurde damals im Vorbereitungskurs zur Fischerprüfung gezeigt.
Nachdem die Fliege zweimal kurz am Auge vorbei geflitzt ist entschloss ich mich etwas anderes anzubinden. Im Gras lag eine Coladose, damals noch mit Ring an der Öffnung. Dieser wurde kurzerhand als Fliege angebunden.
So stand ich etliche Abende auf meinem Trainingsplatz und wurde für mein Befinden besser und besser.

Aus Gründen, die ich heute nicht mehr genau sagen kann und aus Ermangelung geeigneter Gewässer (Fliegenfischen geht schließlich „nur“ am Fluss ;-) ) lag meine Fliegenfischerkarriere einige Jahre auf Eis.

Als ich zu meinem jetzigen Verein wechselte, bekam ich die Möglichkeit an einem Fließgewässer zu angeln. Gleichzeitig lernte ich EFFA Flycasting Instructor, Markus Kunter kennen, der mir viel übers Fliegenfischen vorschwärmte und meinen Wurf durch hilfreiche Anleitungen dankenswerterweise verbesserte. Durch ihn wurde ich auch auf die EFFA aufmerksam und später auch Mitglied. Bei zahlreichen Messen und Veranstaltungen der EFFA konnte ich von unterschiedlichen Instruktoren neues lernen und gelerntes verbessern. Wer weiß was noch kommt? Irgendwann finde ich hoffentlich die Zeit und die Muse mich zusätzlich zum Job und den familiären Verpflichtungen soweit zu verbessern um die Prüfung zum Guide oder/und zum Instruktor zu machen.

Was fasziniert Dich am Fliegenfischen?

Ich war noch nie der Ansitzfischer, der am Ufer gesessen und auf den Biss gewartet hat. Viel spannender ist es einen steigenden Fisch mit einer selbst gebunden Fliege zu überlisten. Gleichzeitig reizt der Bewegungsablauf beim Werfen der Fliege. Das spannendste am Fliegenfischen ist für mich, das man nie von sich behaupten kann perfekt zu sein. Es gibt immer etwas was noch zu verbessern ist. Sei es beim Werfen, beim Lesen des Gewässers, der Insektenkunde oder am Bindestock.

Es gibt noch sehr viel zu tun…   

Hast Du ein Lieblingsgewässer – Wo fischst Du am liebsten?

In der Heimat fische ich sehr gerne an den Gewässern der nördlichen Alpen im Dreiländereck des Bodensees.
Immer öfter verschlägt es mich jedoch in den hohen Norden an die deutsche/dänische Ostseeküste, um den für mich, von der biologischen Sicht gesehen, interessantesten Fischen nachzustellen. Den Meerforellen.
Es gibt nichts schöneres, als im Meer zu stehen und die Fliege in die Fluten zu werfen. Irgendwann wird sich jeder Mefoangler mal fragen, ob er schon noch ganz richtig „tickt“.
Stundenweises Werfen ohne ein Anfasser in der großen Badewanne…
… und plötzlich aus dem nichts geht ein Ruck durch die Rute. 

Hast Du ein Fliegenfischer-Idol?

Was ist ein Idol? Ein Idol ist für mich nicht erreichbar, unnahbar. Was das Fliegenfischen betrifft habe ich so jemanden noch nicht kennen gelernt. Sicher gibt es so einige die was das Werfen und Binden anbelangt einen sehr großen Stellenwert haben. Einen den ich persönlich erst vor kurzem kennen lernen durfte, aber noch nie einen Kurs gemacht habe, oder gemeinsam am Wasser war möchte ich doch erwähnen.

Beim EFFA Warm-up am Neckar in Bieringen war ich weniger als „Schüler“ dabei. Ich wurde von unserem Präsidenten Daniele di Fronzo gefragt ob ich Fotos vom Event machen könnte. Dadurch war die Möglichkeit da, die Instruktoren zu beobachten und überall etwas aufzuschnappen. Ganz besonders fiel mir Master Instruktor, Uwe Rieder aus Österreich ins Auge. Es war toll zu sehen, mit welcher Freude, Umsicht und didaktischem Können er die Teilnehmer im Auge hatte und schon auf dem Weg von einem zum anderen genau wusste, mit welcher Anweisung er helfen kann.

Wo hast Du Deinen grössten oder schönsten Fisch gefangen?

Meinen schönsten Fisch konnte ich im kleinen Belt in Dänemark überlisten. Eine Meerforelle mit ca. 70 cm (wurde nicht gemessen). Ein Milchner mit schönem Laichhaken und herrlich gefärbt. Genauso freue ich mich auch über kleinere Fische, die natürlich im Wasser gewachsen sind und aufgrund des Gewässers nicht zu riesen wachsen konnten.

Welches Potenzial hat aus Deiner Sicht die EFFA?

Die EFFA hat m.E. ein sehr großes Potenzial. Es wird aber sicher eine große Herausforderung die Fliegenfischergemeinde davon zu überzeugen. Ich habe schon viele meiner Freunde die ebenso Mücken werfen, von der EFFA erzählt. Viele von ihnen sahen nicht die Vorteile, die sich aus einer Mitgliedschaft ergeben, bzw. hatten in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen gemacht. Die EFFA ist aus meiner Sicht eine gute Möglichkeit von Gleichgesinnten zu lernen und neue Leute kennen zu lernen.

Fliegenfischen ist voll im Trend. Wo siehst Du die Gründe?

Über das Fliegenfischen wurde in den letzten Jahren viel geschrieben und berichtet. Vielen Fischern ist es sicher auch zu langweilig nur am Gewässer zu sitzen und auf den Biss zu warten. Genauso hat sich in der Vergangenheit das Image verändert. Vom elitären Kreis Petrijünger der nur an teuren Flussabschnitten seinem Hobby nachgehen kann, zum bezahlbaren Hobby das fast an/in jeden Gewässer betrieben werden kann. 

Es gibt vieles was für aber auch gegen unsere Fischgewässer spricht - Umweltschutz, Vogelschutz, Naturschutz, etc. Wie siehst Du die Entwicklung der Fisch-Gewässer in Europa?

Das größte Problem sind wir Fischer selbst. Wenn wir nicht aufpassen bzw. darüber berichten was außer zu fischen, sonst noch für die Gewässer geleistet wird, werden in Zukunft immer weniger Gewässer für unser Hobby zur Verfügung stehen , da die sogenannten Naturschutzverbände diese in Beschlag nehmen und für uns unzugänglich machen.

Jeder Fischer muss einen Kurs machen und unter anderem eine Prüfung im Thema Ökologie ablegen. Müssen das die normalen Mitglieder der großen Naturschutzverbände?

Wenn wir alle eine Sprache sprechen und die Öffentlichkeit über unser Aktivitäten ausserhalb der angelnden Zeit am Wasser aufklären wird unser Image besser und wir können diesen Trend stoppen.

Last but not least, wünsche ich allen Fischerfreunden unvergessliche Stunden am Wasser und viel Petri Heil bei der schönsten Nebensache der Welt.

Interview: Stefan Schramm

Hast Du Interesse am Fliegenfischen / der EFFA? Einfach melden: info@effa.info

www.effa.info/

 

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