Die EFFA (European Fly Fishing Association) stellt vor:

Menschen, die das Fliegenfischen verinnerlichen und die EFFA-Philosophie nach außen tragen. Fliegenfischen ist keine Männer-Domaine! Es gibt viele Frauen, die sich dem Fliegenfischen verschrieben haben und sich für das Fliegenfischen aktiv einsetzen. Heute stellen wir Michelle Ott vor. Eine Frau die den Fokus auf Freude und Sympathie legt als auf  Titel und Zertifikate. 

Michelle Ott ist 29 Jahre jung, verheiratet und arbeitet als Fachwirtin im Gesundheits-und Sozialwesen im Entlass Management einer Universitätsklinik. Ein Job der ihr sehr viel abverlangt und von Stressmomente übersät ist. Zu ihrem anspruchsvollen Job ist das Fliegenfischen der perfekte Ausgleich. Michelle ist seit 2012 Mitglied im Sportfischer Verein „Schloss Weitenburg“ und setzt sich engagiert für ein intaktes Gewässer, mit exzellenter Landschaftsreinhaltung und gutem Fischbestand ein. Den Fokus legen die „Schloss Weitenburger“ auf den natürlichen Fortbestand der Fische - nicht nur auf Besatzmaßnahmen. 

Wir haben Michelle Ott ein paar Fragen gestellt: 

Seit wann bist Du Mitglied bei der EFFA und wie bist Du zur EFFA gekommen?
Michelle Ott: Ich bin seit 2017 Mitglied der EFFA, also noch ein ganz junges Mitglied. Die EFFA als Organisation war mir bereits einige Jahre zuvor bekannt. Neugierig geworden bin ich aber erst durch das Kennenlernen unsers EFFA-Präsidenten Daniele di Fronzo. Er hat mir eindrücklich von den Zielen und Vorhaben der EFFA erzählt. Ich war begeistert. 

Wie bist Du zum Fliegenfischen gekommen?
Michelle Ott: Bei meinem Umzug in die Schweiz im Jahr 2009, hatte ich das erste Mal Kontakt zum Fliegenfischen. Ich war sofort begeistert und so machte ich auch gleich in dem Jahr einen Wurf-Kurs bei Andreas Esslinger Senior, der mir auch das Fliegenbinden beibrachte. Letztlich konnte ich aber Jahre später noch sehr viel von meinem guten Freund Martin Wannenmacher lernen und so sind mir viele Dinge klar geworden, worüber ich mir vorher überhaupt keine Gedanken gemacht habe. Beiden bin ich bis heute sehr dankbar für die vielen Inputs und das Teilen von Erfahrungen. 

Hast Du ein Lieblingsgewässer?
Michelle Ott: Der Neckar ist nach wie vor mein Hausgewässer und somit auch Lieblingsgewässer. Weiter kenne ich mich am Inn im Oberengadin und in den Seen ganz gut aus und liebe die Fischerei dort. Auch die Passer in Südtirol hat es mir sehr angetan. Die Passer ist relativ unverbaut und fliesst noch recht natürlich durchs Tal. Das Vorkommen von Marmorata ist sehr spannend, ebenfalls der gute Bestand an adulten Salmoniden, der mit der „No-Kill-Politik“ erreicht wurde. 

Hast Du Vorlieben beim Fliegenfischen?
Michelle Ott: Am liebsten fische ich mit der Trockenfliegen auf Äschen. Wenn ich den steigenden Fisch gezielt anwerfen und sichtbar erlebe wie die Äsche die Fliege nimmt, ist das für mich das allergrösste - Ein Reiz mit einen ganz besonderen Charme. 

Welche Fischer-Destination möchtest Du unbedingt bereisen?
Michelle Ott: Diese Frage kann ich leider nur schwer beantworten. Ich finde, dass jedes Gewässer, egal wo es sich auf dieser Welt befindet, seinen eigenen Reiz hat. Ob das nun die Fischerei in den Flats der Seychellen ist oder das Lachsfischen in Kanada. Ich könnte mich mit fast jeder Destination anfreunden. Ende Februar reiste ich mit meinen Mann für 3 Wochen nach Südafrika, klar war auch die Fliegenrute im Gepäck. Aufgrund der Trockenheit führten jedoch die Flüsse kein Wasser und so konnten wir leider nicht mit der Fliegen fischen. Das ist die Natur. 

Hast Du eine Taktik am Fischwasser?
Michelle Ott: Wenn ich meinen Zielfisch im Visier habe, kann ich mich an diesem festbeißen. Auch wenn ich dadurch Zeit verliere und so viele andere gute Stellen nicht befischen kann. Lohnen tut es sich aber meistens und bin mit meinem Fang umso glücklicher. Naja, vielleicht rede ich deutlich mehr während des Fischens als Männer :- ), was aber nichts heissen muss. Ich kann mich dennoch bei jedem Wurf, voll und ganz auf das Fischen konzentrieren. 

Wie begegnet Dir die männliche Fischerwelt am Wasser?
Michelle Ott: Ich habe gemischte Erfahrungen gemacht. Die meisten Begegnungen sind jedoch nett und freundlich. Viele Männer freuen sich darüber auch mal eine Frau am Wasser zu begegnen. Auffallend ist, dass wenn ich mit meinen Mann unterwegs bin, der Dialog doch eher an den männlichen Part gerichtet ist. Nach dem Motto „die Frau macht sicher nur so mit“. 

Was ist für Dich das wichtigste wenn Du am Fischwasser bist?
Michelle Ott: Das Wichtigste ist Freude zu haben und eine schöne Zeit am Fischwasser zu erleben. Selbst an einem schlechten Tag oder geschäftlichem Stress, kann das Fischen sofort Entspannung schaffen und vom Rundherum der Welt ablenken. 

Was bedeutet Dir das Fliegenfischen?
Michelle Ott: Fliegenfischen ist ein Teil meines Lebens. Mein Mann hat dieses Hobby durch mich auch für sich entdeckt und somit verbringen wir viel Zeit miteinander am Wasser. Es gehört dazu und hat sich zu einem essentiellen Bestandteil entwickelt. Ein respektvoller Umgang mit dem Lebewesen Fisch und der Natur, haben für mich die allerhöchste Priorität. 

Hast Du speziell einen Tipp für Frauen die mit dem Fliegenfischen beginnen oder sich weiterentwickeln möchten?
Michelle Ott: Frauen tun sich oft schwer überhaupt in einer Männer-Domaine Fuß zu fassen und haben, so denke ich, viel mehr Unsicherheiten wenn es zum Beispiel ums Werfen geht. Ich glaube wir benötigen eine andere Art von Ansprache und Erklärung. Detaillierter könnte ich es allerdings nicht einmal beschreiben. Frauen haben einfach eine andere Art von Bedürfnis. 

Was könnte die EFFA für die Frauenförderung tun?
Im Allgemeinen wäre die Frauenförderung mehr als angebracht. An vielen Messen ist mir aufgefallen, dass im Bereich Wurfdemos ausschliesslich Männer zu sehen sind. Warum sollten das nicht auch Frauen können - Ambitionierte Frauen auch ohne „Titel“ oder Zertifikat! Ich kenne einige solcher Frauen aber eben ohne Titel. Ich möchte jetzt auf keinen Fall, „Title und Zertifikate“ schlecht reden. Ganz im Gegenteil. Ich finde es gut, Qualitätskriterien zu schaffen und somit Levels und Leistungen messbar und transparent zu machen.
Aus meiner Erfahrung machen Frauen bei den Typen Menschen / Lehrern Kurse, die sie in erster Linie sympathisch finden und die pädagogisch gut vermitteln können. Da steht kein Titel oder Zertifikat im Vordergrund.

Interview: Stefan Schramm

Hast Du Interesse am Fliegenfischen / der EFFA? Einfach melden: info@effa.info

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