Die EFFA (European Fly Fishing Association) stellt vor:

Menschen, die das Fliegenfischen verinnerlichen und die EFFA-Philosophie nach außen tragen. Heute stellen wir das umtriebige EFFA Urgestein Günter Feuerstein vor. Ein Perfektionist der polarisiert. Der allgemeinen Entwicklung der Fliegenfischerei steht er sehr skeptisch gegenüber. Sein Credo: „Zum Fliegenfischen muss man Werfen können und so ist das zentrale Element die Fliegenschnur, die als Wurfgewicht dient, und nichts anderes. Punkt aus“!

Die Nymphen- und Huchenfischer ist seine grosse Leidenschaft. Günter Feuerstein (54) wohnt in Oberriet, CH, ist in Dornbirn (AT) aufgewachsen und von Beruf Lehrer. 1971 hat er mit der Fischerei begonnen und ist seit 1978 überzeugter Fliegenfischer.

Günter ist EFFA Mitbegründer, fungierte von 2006 bis 2014 als EFFA Präsident, ist heute EFFA Ehrenpräsident, Chairman für das Fly Casting Department und ehemaliger Präsident des Rheinfischervereins am St. Gallischen Rhein und der IKFA (Internationale Konferenz der Fischereivereine am Alpenrhein). In seiner Beratertätigkeiten für diverse Regierungen in Bezug auf Fischerei und Tourismus mit Schwerpunkt Fliegenfischerei ist er ein gefragter Fachmann. Günter ist Buchautor „Erfolgreich Fliegenfischen auf Salmoniden“ und „Successful Fly Fishing For Salmonids“ (In Kürze erhältlich) und hat diverse Videos produziert. Weiter ist Günter RIO und CTS Ambassador und Field and Fish Consultant.

Wir haben uns mit dem Tausendsassa unterhalten und ihm ein paar Fragen gestellt:

Wie bist Du zum Fliegenfischen gekommen?
Günter Feuerstein: Ich war beim Stippen auf Köderfische und da sich an meiner Stachelschweinpose nichts tat, an der Oberfläche jedoch viel Aktivität war, knotete ich eine von drei Fliegen, die ich in meiner Tasche hatte, ans Ende der Schnur und tippte sie aufs Wasser. Ich fing mehr Köderfische als je zuvor. Dann bastelte ich mir mein eigenes Fliegengerät. Das war 1978. Hier die ganze Geschichte: https://www.g-feuerstein.com/de/Günter-Feuerstein-Fliegenfischen-Anfang.html.

Du bist in der Fliegenfischerszene weltweit bekannt und hast vieles erreicht. Ist das ein Fluch oder ein Segen?
Günter Feuerstein: Sowohl als auch. Wenn man in der ersten Liga spielt, hast du natürlich viele Neider, und die schiessen immer wieder mal quer. Das gehört einfach dazu, wenn man im Rampenlicht steht. Ich weiss, was ich kann und als Instruktor leiste, und alles andere kümmert mich nicht. Da früher viele versuchten, jegliche Prüfungen für Instruktoren zu verhindern, war ich natürlich auch als Kopf der FFF-Europe und später EFFA für manche ein rotes Tuch. Auch stehe ich zweifelhaften Entwicklungen in der Fliegenfischerei sehr skeptisch gegenüber und nehme da auch kein Blatt vor den Mund. Das generiert Opposition, doch irgendwer muss die Fliegenfischerei ja verteidigen. Segen insofern, dass meine Aussage viel Gewicht hat, wenn ich zu etwas Stellung beziehe.

Jeder Fliegenfischer hat seine Ansichten, Erfahrungen und Philosophie. Die Meinungen sind oft kontrovers. Gibt es grundlegend ein Richtig oder Falsch?
Günter Feuerstein: Wenn man zum Fliegenfischen nicht mehr werfen können muss, stimmt einfach etwas nicht mehr. Zum Fliegenfischen gehört bei mir als zentrales Element die Fliegenschnur als Wurfgewicht. Dass ich deshalb Czech Nymphing nicht als Fliegenfischen akzeptiere und genauso wenig das Werfen von 30 g schweren Huchenstreamern mit der Fliegenrute, versteht sich da von selbst. Diese Entwicklungen sind schlicht genauso falsch, wie einen Blinker, Twister oder Wurm ans Ende des Fliegenvorfachs zu knüpfen. Sonst bin ich sehr tolerant.

Du machst Dich für das Fliegenfischen, insbesondere für das Fortbestehen dieser schönen Sportart und einer intakten Natur stark. Worauf legst Du besonders Wert und wo siehst Du die grössten Herausforderungen?
Günter Feuerstein: Ich finde Fliegenfischen eine sehr anmutige und schöne „Sportart“, die immer mehr durch das Fischen um jeden Preis bedrängt wird. Ich spreche mich klar für das Verbannen aller Techniken aus, die die Fliegenschnur als Transportmedium ausklammern. Wenn wir EFFA Instruktoren lehren, wie die Rute beschleunigt und abgestoppt wird und wie das Abrollen der Fliegenschnur beeinflusst werden kann, dann tun wir das, um das Fliegenfischen zu erhalten. Wenn dann jemand am Wasser zu dir sagt, er fange auch ohne werfen zu können seine Fische, um dann eine mehrere Gramm schwere Point Fly mit Dropper unter der Fliegenrutenspitze treiben zu lassen, dann verstehe ich nicht, was das in einem dem Fliegenfischer vorbehaltenem Gewässerabschnitt soll. Gott sei Dank verstehen immer mehr Gewässerbesitzer diese Problematik und passen ihre Fischereibestimmungen an.

Du bist eine der treibenden Kraft die zur Gründung der FFF-Europe und der EFFA beigetragen hat. Erzähle kurz wie es zur Gründung gekommen ist, die Herausforderung und was schlussendlich aus Deinem Antrieb heraus entstanden ist?
Günter Feuerstein: Im Jahre 1995 fuhr ich an die FFF-Conclave nach Livingston, Montana, um das neue Master Instruktoren Programm der FFF anzusehen, dass dort erstmals präsentiert wurde. Es sollte das Vorgängerprogramm ersetzen, das aufgrund völlig unzureichender Anforderungen kläglich gescheitert war. Da das Programm aber für Europa ebenfalls untauglich war, sprach ich mit dem damaligen Fly Casting Chairman der FFF, Tom Travis, darüber. Er schlug schließlich vor, dass wir ein eigenes, auf Europa abgestimmtes Prüfungsprogramm erstellen sollten. Es war mir klar, dass ich dazu die bekanntesten Werfer in Europa zusammentrommeln musste. Dies war nicht leicht, denn es galt Vertreter unterschiedlichster Wurfstile und Techniken zur Zusammenarbeit zu bewegen. Da auch Sepp Fuchs an dieser Conclave anwesend war, sprach ich mit ihm über die Idee. Da er gleich hellauf begeistert war, nahmen wir das Ziel in Angriff. Der Rest ist Geschichte.

Fliegenfischen, allen voran das Fliegenwerfen ist ein komplexes Thema.  Was ist Deine Philosophie? Wie einfach oder schwer ist es Wurf-Techniken zu entwickeln und schlussendlich weiterzugeben und zu lehren?
Günter Feuerstein: Man kann keine Wurftechnik mehr entwickeln, es sei denn das Gerät wird sich grundlegend ändern. Skagit hat die letzten grossen Inputs gebracht, wenn man es auch in punkto Komplexität nicht mit den anderen drei Techniken vergleichen kann, da es Elemente unterschiedlichster Techniken enthält. Stile sind Ausprägungen von Grundtechniken. Da gibt es aber auch nicht viele. Wenn das Werfen einer Person sich grundlegend von dem unterscheidet, was literarisch festgehalten ist, aber es dafür keine speziellen Ruten, Schnüre und Vorfächer braucht, dann spricht man von einem Stil. Auch hier sind die Möglichkeiten begrenzt. Ich habe viele Wurfvarianten als Jugendlicher entwickelt und erst das Internet ermöglichte eine rasche Verbreitung. Wurfkreationen entstanden bei mir entweder aus Spielfreude mit dem Gerät oder aus speziellen Situationen am Wasser. Manche Techniken/Würfe sind weniger komplex, manche sind sehr schwer und es dauert Jahre, sie wirklich zu beherrschen. Und unter beherrschen meine ich, nicht auf der Wiese oder an einem Pool unter „sterilen“ Bedingungen einen Wurf halbwegs hinzubekommen, sondern am Wasser in einer Situation, wo der erste Wurf 100%ig passen muss und viele Einflussfaktoren miteinzubeziehen sind. Diese Techniken zu lehren ist nochmals etwas komplett anderes. Hier kommt mir persönlich natürlich mein Beruf als Pädagoge sehr entgegen. Unter dem Strich können sich nur wenige Instruktoren über längere Zeit am Markt halten. Dies ist nur durch gute Arbeit möglich.
Ein exzellenter Fliegenfischer beherrscht die unterschiedlichsten Würfe und Techniken und wählt in der jeweiligen Situation das aus, was er für zielführend hält. Das ist meine Philosophie. Dies bedeutet auch, dass er nicht nur eine Technik beherrschen sollte, sondern er muss offen sein für Neues. Es geht nicht darum, eine Technik zu wählen und die passt dann für alles. Sie passt wahrscheinlich je nach Technik für bis zu 90% der Situationen, aber das befriedigt mich dann am Wasser nicht, wenn ich einen kapitalen Fisch sehe, aber ihn nicht erreichen kann. Man sollte sich immer nach oben noch Ziele setzen, auch beim Werfen. Als Instruktor sollte man ja auch immer bestrebt sein, dazuzulernen.
Es gibt aber auch exzellente Fischer, die nicht besonders gut werfen können. Es benötigt beides, um an überfischten Gewässern noch erfolgreich zu sein.  

Wo oder auch wie kann sich die EFFA weiterentwickeln? Was müsste noch getan werden? Welches Potenzial hat die EFFA?
Günter Feuerstein: Ich würde mir wünschen, dass die Organisation wieder auf aktive Mitglieder in vielen Ländern bauen kann. Das wäre für mich das wichtigste Ziel einer europäischen Organisation. Der Fokus sollte auf Flächendeckung ausgerichtet sein. Dafür braucht es aber aktive Mitglieder, die auch mal etwas für die Webseite schreiben und zur Verbreitung der EFFA beitragen.

Wie siehst Du die aktuelle ökologische Situation europäischer Gewässer und deren Fischbestände?
Günter Feuerstein: Herbizide, Insektizide, Weichmacher, hormonelle Substanzen, Bodenverdichtung, zu hohe Schnittfrequenz beim Mähen, Zerstörung der Ufergehölze und Abtragung der Grasnarbe beim Hochwasserschutz sind nur einige Probleme unserer Gewässer. Dann wäre da noch die Profitgier der E-Wirtschaft zu nennen, die es immer noch nicht begriffen hat, was sie mit ihrer Zerstückelung unserer Flüsse und Kleinstgewässer und vor allem mit dem Schwall an der Natur verbricht. Die sich verändernden Temperaturen sind unseren Salmonidengewässern auch nicht zuträglich. Dann wären da noch die fischfressenden Vögel und neuerdings der Fischotter als negative Einflussfaktoren zu nennen. Auf meiner Webseite weise ich immer wieder auf die verschiedenen Probleme hin. Wir müssen alle viel aktiver unseren Lebensraum und den der Fische verteidigen.

Möchtest Du Deinen Fliegenfischer-Kollegen, etwas mit auf den Weg geben? Was ist bei Dir ein absolutes No-Go am Wasser?
Günter Feuerstein: Sich arrogant zu verhalten oder mit seinen Fängen zu prahlen. Eine gute Streamside Etikette und korrektes Werfen mit der Fliegenschnur sind Kernelemente unseres „Sports“ und es sollte einem Jeden ein Anliegen sein, diese zu erhalten und auch zu verteidigen.

Auf was, wenn Du am Wasser bist, könntest Du niemals verzichten?
Günter Feuerstein: Auf meine Polbrille, da ich auch viel ohne Rute an Gewässern unterwegs bin.

Interview: Stefan Schramm

www.g-feuerstein.com
Kontaktdaten: info@g-feuerstein.com, 0041 76 3293098,  0043 676 9166661

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